Wie wirkt Botox gegen Hyperhidrose?
Botulinumtoxin wird seit vielen Jahren zur Behandlung von Hyperhidrose eingesetzt. Der Wirkstoff blockiert reversibel die Signalübertragung zwischen Nerven und Schweißdrüsen, indem die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin gehemmt wird. Dadurch erhalten die Schweißdrüsen weniger Signale zur Schweißproduktion und das Schwitzen in den behandelten Bereichen kann deutlich reduziert werden.
In Deutschland besteht die Zulassung für Botulinumtoxin A bei schwerer primärer axillärer Hyperhidrose, wenn topische Therapien nicht ausreichend wirksam sind. Anwendungen an anderen Körperstellen wie Händen oder Füßen gelten als Off-Label-Use.
Für welche Körperstellen eignet sich Botox?
Am häufigsten wird Botox im Bereich der Achselhöhlen angewendet. Dort gilt die Behandlung als vergleichsweise unkompliziert und gut verträglich. Die Injektionen erfolgen in mehreren kleinen Abständen direkt unter die Haut. Im Achselbereich ist eine Betäubung meist nicht erforderlich.
Auch Hände und Füße können behandelt werden. Da diese Bereiche empfindlicher sind, wird hier häufig vorab eine lokale Betäubungscreme eingesetzt. Gleichzeitig treten bei palmarer Anwendung häufiger Nebenwirkungen wie Schmerzen, Juckreiz oder eine vorübergehende Schwäche der Handmuskulatur auf.
Welche Ergebnisse zeigen Studien?
Mehrere Studien zeigen, dass Botulinumtoxin die Beschwerden bei Hyperhidrose deutlich reduzieren und die Lebensqualität verbessern kann.
In einer prospektiven Vorher-Nachher-Studie mit 81 Patientinnen und Patienten mit axillärer Hyperhidrose verbesserten sich sowohl der Schweregrad der Beschwerden als auch die Lebensqualität signifikant. Der HDSS-Wert sank von 3,4 auf 1,5, während sich der Dermatology Life Quality Index (DLQI) von 19 auf 6,9 verbesserte – und das noch ein Jahr nach der Behandlung. Die zugrunde liegende Studie von Castiglione et al. untersuchte dabei gezielt die langfristige Wirksamkeit von Botulinumtoxin bei axillärer Hyperhidrose1.
Auch bei palmarer Hyperhidrose wurden positive Ergebnisse beschrieben. In einer retrospektiven Studie mit 30 Patientinnen und Patienten verbesserte sich der HDSS-Wert bei 93 % der Behandelten um mindestens einen Punkt. Die Wirkung hielt nach der ersten Behandlung im Median etwa vier Monate an. Die Studie von Farrell et al. analysierte dabei insbesondere Wirksamkeit und Wirkdauer von Botulinumtoxin A bei stark schwitzenden Händen2.
Wie lange hält die Wirkung an?
Die Wirkung von Botox hält in der Regel mehrere Monate an. Im Idealfall wird eine Wiederholung der Behandlung ein- bis zweimal pro Jahr notwendig.
Wie lange die Wirkung anhält, kann individuell unterschiedlich sein und hängt unter anderem von der behandelten Körperregion und der Ausprägung der Hyperhidrose ab.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Botulinumtoxin gilt bei fachgerechter Anwendung als gut verträglich. Im Achselbereich werden überwiegend milde bis moderate Nebenwirkungen beschrieben. Dazu zählen beispielsweise vorübergehende Rötungen oder leichte Beschwerden an den Einstichstellen.
Bei Anwendungen an den Händen oder Füßen können zusätzlich lokale Schmerzen, Juckreiz oder eine vorübergehend reduzierte Griffkraft auftreten. In der Studie zur palmaren Hyperhidrose wurde bei 23 % der Teilnehmenden eine vorübergehende Verminderung der Griffstärke beobachtet2. In einem Einzelfall trat eine vorübergehende Schwäche der Handmuskulatur auf.
Wann kann Botox sinnvoll sein?
Botox stellt eine mögliche Behandlungsoption bei Hyperhidrose dar, insbesondere wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind. Vor einer invasiveren Behandlung werden häufig zunächst topische Antitranspiranzien, medizinische Salben oder Verfahren wie die Leitungswasser-Iontophorese eingesetzt3.
Welche Therapie im Einzelfall geeignet ist, sollte immer gemeinsam mit einem Arzt entschieden werden.









