Hyperhidrose Behandlung: Die wichtigsten Methoden im Überblick
Hyperhidrose bezeichnet eine krankhaft gesteigerte Schweißproduktion, die über den natürlichen Bedarf des Körpers zur Temperaturregulation hinausgeht. Fachleute unterscheiden grundsätzlich zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose.
Die primäre Hyperhidrose tritt ohne erkennbare Grunderkrankung auf und betrifft meist bestimmte Körperregionen wie Hände, Füße, Achseln oder das Gesicht. Häufig beginnt sie bereits in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter.⁴ ¹⁹ Die sekundäre Hyperhidrose entsteht dagegen als Folge anderer Erkrankungen oder bestimmter Medikamente.⁴ In diesen Fällen steht die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache im Vordergrund.
Antitranspiranzien
Medizinische Antitranspiranzien gelten als Erstlinientherapie bei leichter bis mittelschwerer fokaler Hyperhidrose.¹⁹ Sie enthalten meist Aluminiumchlorid oder Aluminiumchlorohydrat, die die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen teilweise verschließen und dadurch die Schweißproduktion reduzieren.⁵
Studien zeigen, dass viele Betroffene unter aluminiumhaltigen Antitranspiranzien eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erleben.⁶ Gleichzeitig können Hautreizungen oder Juckreiz auftreten, insbesondere bei empfindlicher Haut.⁵
Für die Behandlung von Hyperhidrose an Händen und Füßen werden häufig speziell dafür entwickelte Präparate eingesetzt. Antihydral® Salbe enthält den Wirkstoff Methenamin und wird zur unterstützenden Behandlung übermäßiger Schweißbildung an Händen, Füßen und Achseln angewendet.
Wie bei allen Arzneimitteln gilt: Bitte lesen Sie die Packungsbeilage und wenden Sie sich bei Fragen an Ihren Arzt oder Apotheker.
Iontophorese
Die Leitungswasser-Iontophorese ist eine etablierte Behandlungsmethode insbesondere bei Hyperhidrose an Händen und Füßen.¹⁹ Dabei werden die betroffenen Körperstellen in Wasserbäder gelegt, durch die schwacher Gleichstrom geleitet wird. Der genaue Wirkmechanismus ist bislang nicht vollständig geklärt, vermutlich wird die Aktivität der Schweißdrüsen vorübergehend beeinflusst.¹³
In einer randomisierten kontrollierten Studie zeigte sich bereits nach zwei Wochen eine deutliche Verbesserung der Beschwerden bei palmarer Hyperhidrose.¹³ Die Behandlung muss regelmäßig durchgeführt werden und eignet sich häufig auch für die Anwendung zu Hause.
Botox-Injektionen
Botulinumtoxin (Botox) wird insbesondere bei axillärer Hyperhidrose eingesetzt.¹⁴ Der Wirkstoff blockiert die Signalübertragung zwischen Nerven und Schweißdrüsen und reduziert dadurch die Schweißproduktion in den behandelten Bereichen.¹⁴
Studien zeigen, dass Botulinumtoxin sowohl die Schweißproduktion als auch die Lebensqualität vieler Betroffener verbessern kann.¹⁵ Die Wirkung hält meist mehrere Monate an, bevor eine erneute Behandlung erforderlich wird.
Die Behandlung erfolgt durch kleine Injektionen direkt in die Haut und sollte von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden.
Medikamentöse Therapie
Wenn topische Maßnahmen nicht ausreichen, können systemische Medikamente eingesetzt werden. Häufig kommen sogenannte Anticholinergika zum Einsatz. Diese hemmen die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin, der die Aktivität der Schweißdrüsen steuert.⁴
Zu den eingesetzten Wirkstoffen zählen beispielsweise Oxybutynin oder Bornaprin. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Mundtrockenheit, Müdigkeit oder Sehstörungen. Deshalb sollte die Anwendung immer ärztlich begleitet werden.⁴
Operative Eingriffe
Bei sehr schwerer Hyperhidrose, die auf andere Therapien nicht anspricht, können operative Verfahren in Betracht gezogen werden. Eine mögliche Option ist die endoskopische thorakale Sympathektomie. Dabei werden bestimmte Nervenbahnen unterbrochen, die an der Steuerung der Schweißproduktion beteiligt sind.¹⁹
Der Eingriff kann die Beschwerden dauerhaft reduzieren, birgt jedoch Risiken. Besonders relevant ist das sogenannte kompensatorische Schwitzen, bei dem es zu verstärkter Schweißbildung an anderen Körperstellen kommen kann. Operative Verfahren werden deshalb meist erst nach Ausschöpfung konservativer Therapien empfohlen.
Welcher Arzt behandelt Hyperhidrose?
Erste Anlaufstelle ist häufig der Hausarzt. Für die weitere Diagnostik und Therapie erfolgt oft eine Überweisung zum Dermatologen, da Hautärzte auf die Behandlung von Hyperhidrose spezialisiert sind.
Liegt der Verdacht auf eine sekundäre Hyperhidrose vor, können zusätzlich andere Fachrichtungen wie Innere Medizin, Endokrinologie oder Neurologie beteiligt sein.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Kostenübernahme hängt von der jeweiligen Therapie und der individuellen Situation ab. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen bestimmte Behandlungen wie Leitungswasser-Iontophorese oder Botulinumtoxin teilweise nur bei nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit und ärztlicher Verordnung.
Rezeptpflichtige Medikamente werden in vielen Fällen erstattet, während rezeptfreie Produkte wie Antitranspiranzien meist selbst bezahlt werden müssen. Die genauen Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Krankenkasse.
Fazit
Hyperhidrose ist heute in vielen Fällen gut behandelbar. Je nach Schweregrad und betroffener Körperregion stehen unterschiedliche Therapieoptionen zur Verfügung – von topischen Antitranspiranzien über Iontophorese und Botulinumtoxin bis hin zu systemischen Medikamenten oder operativen Verfahren. Entscheidend ist eine individuelle Therapieplanung gemeinsam mit einem erfahrenen Arzt, um die passende Behandlung für die persönliche Situation zu finden.









