Sie schwitzen mehr als andere – und fühlen sich damit allein?
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem klimatisierten Büro, entspannen sich zu Hause oder spazieren an einem milden Herbsttag – und dennoch werden Ihre Hände feucht, Ihre Kleidung zeigt Schweißflecken oder Ihre Schuhe sind schnell durchfeuchtet. Für viele Menschen mit Hyperhidrose gehört dies zum Alltag. Die Erkrankung belastet Betroffene nicht nur körperlich, sondern häufig auch emotional und sozial.³
Wichtig zu wissen: Übermäßiges Schwitzen ist eine medizinisch anerkannte Erkrankung. Hyperhidrose hat biologische Ursachen und ist weder ein Zeichen mangelnder Hygiene noch einfach „nervöses Schwitzen“.⁴ Studien zeigen, dass Millionen Menschen weltweit betroffen sind.¹ ²
Was unterscheidet Hyperhidrose von normalem Schwitzen?
Schwitzen ist grundsätzlich ein wichtiger biologischer Prozess. Der Körper nutzt Schweiß, um die Körpertemperatur zu regulieren und sich vor Überhitzung zu schützen. Bei Hitze, körperlicher Aktivität oder Stress ist Schwitzen daher völlig normal.⁴
Bei Hyperhidrose ist die Schweißproduktion jedoch deutlich stärker ausgeprägt als für die jeweilige Situation notwendig wäre. Die Schweißdrüsen arbeiten überaktiv – häufig unabhängig von Temperatur oder körperlicher Belastung.⁴ Betroffene schwitzen teilweise selbst in Ruhe oder in kühlen Räumen erheblich.
Diese übermäßige Aktivität der Schweißdrüsen ist das zentrale Merkmal der Erkrankung.
Zwei verschiedene Arten: Primäre und sekundäre Hyperhidrose
Fachleute unterscheiden grundsätzlich zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose.⁴
Die primäre Hyperhidrose ist die häufigere Form. Sie tritt ohne erkennbare Grunderkrankung auf und betrifft meist bestimmte Körperregionen wie Achseln, Hände oder Füße.⁴ Häufig beginnt sie bereits in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter.¹⁹ Viele Betroffene berichten außerdem von weiteren Familienmitgliedern mit ähnlichen Beschwerden, was auf eine genetische Veranlagung hindeutet.⁴
Die sekundäre Hyperhidrose entsteht dagegen als Folge anderer Erkrankungen oder bestimmter Medikamente. Mögliche Ursachen sind beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes mellitus, hormonelle Veränderungen oder Infektionen.⁴ In diesen Fällen steht die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache im Vordergrund.
Wo schwitzen Betroffene am meisten?
Besonders häufig tritt Hyperhidrose an den Achselhöhlen, Händen und Füßen auf.⁴
Die sogenannte axilläre Hyperhidrose betrifft die Achselregion und führt häufig zu sichtbaren Schweißflecken auf der Kleidung. Bei palmarer Hyperhidrose sind die Hände betroffen, was beispielsweise das Schreiben, Arbeiten am Computer oder Händeschütteln erschweren kann. Plantare Hyperhidrose betrifft die Füße und kann unter anderem zu feuchten Schuhen oder Hautproblemen beitragen.⁴
Seltener kann auch das Gesicht oder der gesamte Körper betroffen sein.
Wann beginnt Hyperhidrose typischerweise?
Die primäre Hyperhidrose beginnt häufig bereits im Jugendalter oder in der frühen Erwachsenenzeit.¹⁹ Viele Betroffene nehmen die Symptome zunächst als „normales Schwitzen“ wahr und suchen erst später medizinische Hilfe – etwa wenn berufliche oder soziale Belastungen zunehmen.
Da Hyperhidrose die Lebensqualität erheblich beeinflussen kann, berichten viele Menschen im Verlauf über Unsicherheit, Scham oder Einschränkungen im Alltag.³
Wie stellt ein Arzt Hyperhidrose fest?
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt fragt unter anderem danach, seit wann die Beschwerden bestehen, welche Körperregionen betroffen sind und ob familiäre Vorbelastungen bekannt sind.⁴
Zur objektiven Beurteilung kann zusätzlich der sogenannte Minor-Test eingesetzt werden. Dabei wird die Haut mit einer Jodlösung und anschließend mit Stärke behandelt. Bereiche mit vermehrter Schweißproduktion färben sich dunkel und können dadurch sichtbar gemacht werden.¹⁹
Je nach Situation können zusätzlich Blutuntersuchungen notwendig sein, um mögliche sekundäre Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen auszuschließen.⁴
Was können Betroffene tun?
Heute stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche Therapie geeignet ist, hängt unter anderem von der betroffenen Körperregion und dem Schweregrad der Beschwerden ab.¹⁹
Zu den etablierten Behandlungsoptionen gehören aluminiumhaltige Antitranspiranzien, Leitungswasser-Iontophorese, Botulinumtoxin oder weitere medizinische Verfahren.¹³ ¹⁴ ¹⁵ Auch allgemeine Maßnahmen wie atmungsaktive Kleidung oder Stressmanagement können unterstützend wirken.²⁰
Eine frühzeitige dermatologische Beratung kann helfen, die passende Therapie zu finden und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.
Ist Hyperhidrose gefährlich?
Hyperhidrose selbst ist in der Regel nicht lebensbedrohlich. Allerdings kann sekundäre Hyperhidrose ein Hinweis auf andere Erkrankungen sein und sollte deshalb medizinisch abgeklärt werden.⁴
Außerdem kann starkes Schwitzen Hautreizungen oder Hautinfektionen begünstigen. Besonders wichtig ist jedoch die psychische Belastung vieler Betroffener. Studien zeigen, dass Hyperhidrose häufig mit sozialem Rückzug, Schamgefühlen und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden ist.³
Deshalb sollte Hyperhidrose nicht unterschätzt werden – sowohl die körperlichen als auch die emotionalen Auswirkungen verdienen Aufmerksamkeit und eine geeignete Behandlung.









