Hyperhidrose
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Was tun gegen Hyperhidrose? Tipps die wirklich helfen

Sie schwitzen deutlich mehr als andere – auch wenn es gar nicht warm ist oder Sie gerade keinen Sport machen? Dann könnten Sie unter Hyperhidrose leiden. Vor einer Medizinischen Therapie gibt es jedoch andere Maßnahmen die ausprobiert werden können.

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Das Problem verstehen: Warum Hyperhidrose so belastend ist

Hyperhidrose bezeichnet eine über das physiologische Maß hinausgehende Schweißproduktion und ist deutlich mehr als „normales Schwitzen“. Die Erkrankung kann den Alltag erheblich beeinträchtigen – etwa durch sichtbare Schweißflecken, ständig feuchte Hände oder belastende Geruchsentwicklung. Viele Betroffene berichten zudem über soziale, berufliche und psychische Einschränkungen. Studien zeigen, dass Hyperhidrose die Lebensqualität deutlich beeinflussen kann.¹ ² ³

Die primäre Hyperhidrose tritt typischerweise fokal auf – besonders häufig an den Achseln, Händen oder Füßen – und beginnt oft bereits im Jugendalter.⁴ Schätzungen zufolge sind etwa 4–5 % der Bevölkerung betroffen.¹ ²

Wichtig zu wissen: Hyperhidrose ist behandelbar. Je nach Schweregrad und betroffener Körperregion kommen unterschiedliche Therapieoptionen infrage.¹⁹

Allgemeine Maßnahmen und Lebensstil

Vor einer medizinischen Therapie empfehlen Fachgesellschaften zunächst allgemeine Maßnahmen, die unterstützend wirken können. Dazu gehören unter anderem Gewichtsreduktion, die Reduktion von Alkohol- und Koffeinkonsum sowie das Vermeiden sehr scharfer Speisen.¹⁹

Auch atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle oder Funktionsmaterialien kann helfen, Feuchtigkeit besser abzuleiten und Hautreizungen zu reduzieren. Zusätzlich berichten viele Betroffene, dass Stress und emotionale Belastungen das Schwitzen verstärken. Entspannungstechniken, regelmäßige Bewegung oder Atemübungen können deshalb unterstützend eingesetzt werden.²⁰

Da die primäre Hyperhidrose jedoch meist unabhängig von körperlicher Aktivität auftritt, gelten diese Maßnahmen vor allem als sinnvolle Ergänzung – nicht als alleinige Therapie.¹⁹

Topische Antitranspiranzien

Topische Präparate gelten als wichtige Erstlinientherapie bei fokaler Hyperhidrose. Besonders häufig kommen aluminiumhaltige Antitranspiranzien zum Einsatz. Aluminiumchlorid wirkt, indem es die Ausführungsgänge der ekkrinen Schweißdrüsen teilweise verschließt und dadurch die Schweißproduktion reduziert.⁵

Studien zeigen, dass aluminiumchloridhaltige Präparate bei vielen Betroffenen wirksam sein können.⁶ Gleichzeitig können insbesondere zu Beginn Hautreizungen oder Juckreiz auftreten.⁵ Alternativ können Antitranspirantizen ohne Aluminium wie etwa Antihydral aufgetragen werden.

Für unterschiedliche Körperregionen kommen verschiedene Darreichungsformen infrage. Für die Achseln werden häufig Sprays oder Roller verwendet. Bei Händen und Füßen sind stärker haftende Formulierungen häufig besser geeignet, da diese Bereiche stärker belastet werden.

Antitranspiranzien sollten vorzugsweise abends auf trockener Haut angewendet werden, damit die Wirkstoffe über Nacht in die Schweißdrüsen eindringen können.⁵

Leitungswasser-Iontophorese

Wenn topische Antitranspiranzien nicht ausreichend wirksam sind, kann die Leitungswasser-Iontophorese eine weitere Therapieoption darstellen. Besonders bei Hyperhidrose an Händen und Füßen wird dieses Verfahren häufig eingesetzt. Dabei wird schwacher elektrischer Strom über Wasserbäder auf die Haut übertragen. Der genaue Wirkmechanismus ist bislang nicht vollständig geklärt.¹³

In einer randomisierten kontrollierten Studie zeigte sich bereits nach zwei Wochen eine deutliche Symptombesserung bei vielen Betroffenen mit palmarer Hyperhidrose.¹³ Die Behandlung muss regelmäßig wiederholt werden und wird häufig zu Hause durchgeführt.

Hausmittel und ergänzende Maßnahmen

Viele Betroffene suchen zusätzlich nach natürlichen oder ergänzenden Möglichkeiten, um das Schwitzen zu reduzieren. Häufig genannt wird beispielsweise Natron. Wissenschaftlich belastbare Daten zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen sind jedoch begrenzt.

Traditionell wird Natron vor allem geruchsneutralisierend eingesetzt. Bei ausgeprägter Hyperhidrose ersetzen solche Maßnahmen jedoch meist keine medizinische Therapie, sondern können allenfalls ergänzend eingesetzt werden.

Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?

Ein Arztbesuch ist sinnvoll, wenn das Schwitzen plötzlich auftritt, sehr stark ausgeprägt ist oder den Alltag erheblich beeinträchtigt. Auch wenn topische Maßnahmen nach mehreren Wochen keine ausreichende Wirkung zeigen, sollte eine dermatologische Abklärung erfolgen.¹⁹

Die Diagnostik umfasst neben einer ausführlichen Anamnese häufig auch spezielle Verfahren wie den Minor-Test oder gravimetrische Messungen der Schweißproduktion.¹⁹ Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose, da vermehrtes Schwitzen auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen oder Medikamenten auftreten kann.⁴

Welche Behandlung passt zu welcher Körperregion?

Je nach betroffener Körperregion unterscheiden sich die empfohlenen Therapieansätze. Die aktuelle Stufentherapie der AWMF-Leitlinie empfiehlt bei axillärer Hyperhidrose zunächst topische Antitranspiranzien und gegebenenfalls lokale Anticholinergika.¹⁹

Bei palmarer und plantarer Hyperhidrose werden aluminiumchloridhaltige Präparate und Leitungswasser-Iontophorese besonders häufig eingesetzt.¹³ ¹⁹ Bei stärker ausgeprägten Formen können zusätzlich Botulinumtoxin-Injektionen oder weitere medizinische Verfahren infrage kommen.¹⁴ ¹⁵

Welche Therapie individuell geeignet ist, hängt immer vom Schweregrad der Hyperhidrose, der betroffenen Körperregion und dem persönlichen Leidensdruck.

FAQs

Häufig gestellte Fragen

Was hilft wirklich gegen Hyperhidrose?

Antitranspiranzien mit Aluminiumchlorid sind der wissenschaftliche Standard – sie wirken nachweislich. Je nach Schweregrad kombinieren Sie diese mit Lebensstiländerungen, ggf. Iontophorese oder medizinischen Verfahren.

Was tun gegen Hyperhidrose an den Händen?

Spezialisierte Antitranspiranzien oder Antihydral Salbe auftragen, Stressabbau und falls nötig Iontophorese oder ärztliche Beratung. Hände sind oft hartnäckig – Geduld und Kombinationstherapie sind wichtig.

Was hilft bei starker Hyperhidrose?

Bei starker Hyperhidrose sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen. Stärkere Antitranspirant-Formulierungen, Iontophorese und in ausgeprägten Fällen medizinische Verfahren wie Botulinumtoxin sind mögliche Optionen.

Was tun bei Hyperhidrose an den Füßen?

Antitranspirant-Salben oder Antihydral Salbe + atmungsaktive Socken aus Baumwolle oder Merino-Wolle + häufiger Socken- und Schuhwechsel. Iontophorese ist auch an den Füßen wirksam, erfordert aber regelmäßige Anwendung.

Welches Deo bei Hyperhidrose?

Normales Deodorant reicht bei Hyperhidrose oftmals nicht aus – Sie benötigen ein Antitranspirant. Achten Sie auf den Aluminiumchlorid-Gehalt und wählen Sie je nach Zone: Spray für Achseln, Salbe für Hände und Füße.

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Quellen

¹ Doolittle J, Walker P, Mills T, Thurston J: Hyperhidrosis: An update on prevalence and severity in the United States. Arch Dermatol Res 2016;308:743–749.

² Shayesteh A, Janlert U, Brulin C, Boman J, Nylander E: Prevalence and characteristics of hyperhidrosis in Sweden. Dermatology 2016;232:586–591.

³ Henning MAS, Barati F, Jemec GBE: Quality of life in individuals with primary hyperhidrosis. Clin Auton Res 2023;33:519–528.

⁴ Kisielnicka A et al.: Hyperhidrosis: Disease aetiology, classification and management. Postepy Dermatol Alergol 2022;39:251–257.

⁵ Hoelzle E: Topical pharmacological treatment. Curr Probl Dermatol 2002;30:30–43.

⁶ Attallah HS et al.: Efficacy, safety and quality of life of oxybutynin versus aluminum chloride hexahydrate. Indian J Dermatol 2022;67:222–227.

¹³ Kim DH et al.: Treatment of palmar hyperhidrosis with tap water iontophoresis. Ann Dermatol 2017;29:728–734.

¹⁴ Castiglione L et al.: Assessing botulinum toxin effectiveness and quality of life in axillary hyperhidrosis. Diseases 2024;12:15.

¹⁵ Farrell J et al.: Retrospective analysis of botulinum toxin A injections in palmar hyperhidrosis. Intern Med J 2021;51:1517–1521.

¹⁹ Rzany B et al.: S1-Leitlinie Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. AWMF-Registernummer 013–059, 2023.

²⁰ Solish N et al.: Recognition, diagnosis, and severity-based treatment of focal hyperhidrosis. Dermatol Surg 2007;33:908–923.

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