Warum feuchte Hände beim Klettern mehr als nur lästig sind
Klettern lebt von Reibung. Ob Sloper, Crimp oder offener Griff – die Haftung zwischen Haut und Fels oder Kunstgriff entscheidet darüber, ob ein Zug gelingt oder nicht. Schweiß bildet einen dünnen Film zwischen Haut und Oberfläche, der genau diese Reibung reduziert. Im Hallenklettern, wo Griffe oft glatt und benutzt sind, ist das besonders problematisch. Im Outdoor-Bereich – auf Granit, Sandstein oder Kalk – kann Feuchtigkeit sogar sicherheitsrelevant werden: Ein feuchter Griff an einer exponierten Stelle ist kein Stilproblem, sondern ein Risiko.
Hinzu kommt die psychologische Komponente: Wer weiß, dass die Hände gleich wieder schwitzen werden, klettert anders – zögernder, verkrampfter. Und Verkrampfung erzeugt wiederum mehr Schweiß. Ein Kreislauf, den viele Kletternde kennen.
Magnesia: Was es kann und was nicht
Magnesia – Magnesiumcarbonat – ist das Standardmittel gegen feuchte Hände in der Klettergemeinschaft. Es absorbiert Schweiß, raut die Haut leicht auf und verbessert so kurzfristig die Reibung. Für gelegentliches Schwitzen bei körperlicher Belastung ist Magnesia eine bewährte Lösung.
Das Problem: Magnesia bekämpft das Symptom, nicht die Ursache. Wer stark schwitzt – also mehr als durch normale Anstrengung und Hitze erklärbar ist – wird feststellen, dass selbst großzügig aufgetragenes Magnesia nach wenigen Zügen weggewaschen ist. Die Hände schwitzen durch das Magnesia hindurch. Bei ausgeprägter Hyperhidrose, also übermäßigem Schwitzen an Händen und Füßen, reicht Magnesia schlicht nicht aus.
Außerdem: In vielen Klettergebieten und Hallen gibt es mittlerweile Einschränkungen beim Magnesiagebrauch, um den Fels und die Griffoberflächen zu schonen. Lose Magnesia ist an manchen Spots bereits verboten. Liquid Chalk – also flüssige Kreide mit Alkohol – ist hier oft die akzeptierte Alternative.
Antitranspirierende Produkte: Was die Klettergemeinschaft wirklich nutzt
In Foren, an Kletterwänden und unter Bouldermatten wird ein Thema immer wieder diskutiert: Was hilft wirklich bei chronisch feuchten Händen? Neben Magnesia haben viele Kletternde Erfahrungen mit antitranspirierenden Produkten gemacht.
Antihydral® Spray ist ein kosmetisches Antitranspirant und in der Kletterszene bekannte Produkte. Sie werden auf trockene Haut aufgetragen und können dabei helfen, die Schweißproduktion lokal zu reduzieren. Die Anwendung erfolgt typischerweise am Abend vor einer Kletter-Session – die Hände werden damit behandelt, morgens abgewaschen, und man klettert mit spürbar trockeneren Händen.
Antihydral® Salbe ist ein Arzneimittel, das in der Klettergemeinschaft ebenfalls bekannt ist. Die Anwendung folgt einem ähnlichen Muster: abends auf die Handflächen auftragen, morgens abwaschen. Als Arzneimittel unterliegt Antihydral® Salbe besonderen Hinweispflichten; lesen Sie vor der Anwendung unbedingt den Beipackzettel und wenden Sie sich bei Fragen an eine Apotheke oder Ihren Arzt.
Kombination Antitranspirant + Magnesia
Das Beste aus beiden Welten: Wer antitranspirierende Produkte regelmäßig anwendet und zusätzlich Magnesia beim Klettern nutzt, berichtet häufig von deutlich besseren Ergebnissen als mit Magnesia allein. Die Grundlage – weniger Schweiß – bleibt bestehen, und Magnesia übernimmt die feine Optimierung der Reibung direkt am Griff. Diese Kombination ist in der Klettergemeinschaft weit verbreitet und wird von vielen als der pragmatische Weg beschrieben.
Hautpflege für Kletterhände: Das oft vergessene Gleichgewicht
Kletternde kennen das Dilemma: Einerseits soll die Haut an den Handflächen trocken und griffig sein, andererseits braucht sie Pflege, um nicht zu reißen und zu bluten. Schwielen sind erwünscht, aber zu dicke Schwielen reißen – zu dünne Haut schmerzt.
Wer antitranspirierende Produkte nutzt, sollte die Hautpflege nicht vernachlässigen. Auf die Anwendung von Antihydral-Produkten folgt idealerweise an trainingsfreien Tagen eine gute Handfeuchtigkeitspflege. Außerdem empfiehlt es sich, nach jeder Session die Hände zu pflegen – und bei Rissen sofort zu behandeln, bevor sie tiefer werden. Trockene, gepflegte Hände greifen besser als gerissene oder übermäßig eingecremte.
Wenn feuchte Hände auf Hyperhidrose hindeuten
Schwitzt man so stark, dass Magnesia kaum hilft, die Hände auch in Ruhesituationen feucht sind und das Schwitzen den Alltag beeinträchtigt, kann dies ein Hinweis auf Hyperhidrose sein – eine medizinische Erkrankung, bei der die Schweißdrüsen überaktiv sind.
Hyperhidrose ist behandelbar. Wer mehr darüber erfahren möchte, was hinter übermäßigem Schwitzen steckt und welche Möglichkeiten es gibt, findet weiterführende Informationen in unserem Ratgeber: Was tun gegen Hyperhidrose.









