Wann ist ein Medikament bei Hyperhidrose sinnvoll?
Hyperhidrose ist eine medizinische Erkrankung, bei der der Körper übermäßig Schweiß produziert – häufig unabhängig von Hitze oder körperlicher Belastung.⁴ Medikamente kommen insbesondere dann infrage, wenn einfache Maßnahmen wie allgemeine Verhaltensänderungen oder topische Antitranspiranzien nicht ausreichend helfen und die Beschwerden den Alltag deutlich beeinträchtigen.¹⁹
Vor Beginn einer medikamentösen Behandlung sollte die Ursache der Hyperhidrose ärztlich abgeklärt werden. Dabei ist es wichtig, zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose zu unterscheiden, da sekundäre Formen beispielsweise durch Stoffwechselerkrankungen, Medikamente oder hormonelle Veränderungen verursacht werden können.⁴
Rezeptfreie Optionen: Antitranspiranzien und lokale Präparate
Antitranspiranzien mit Aluminiumchlorid
Topische Antitranspiranzien gelten als Erstlinientherapie bei fokaler Hyperhidrose.¹⁹ Häufig enthalten sie Aluminiumchlorid oder Aluminiumchlorohydrat, die die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen teilweise verschließen und dadurch die Schweißproduktion reduzieren.⁵
Die Anwendung erfolgt meist abends auf trockener Haut, damit die Wirkstoffe über Nacht in die Schweißdrüsen eindringen können.⁵ Studien zeigen, dass viele Betroffene mit aluminiumhaltigen Antitranspiranzien gute Ergebnisse erzielen.⁶ Gleichzeitig können insbesondere zu Beginn der Anwendung Hautreizungen oder Juckreiz auftreten.⁵
Antihydral Salbe für Hände und Füße
Antihydral Salbe wird zur unterstützenden Behandlung bei Hyperhidrose an Händen und Füßen eingesetzt. Der enthaltene Wirkstoff Methenamin wird traditionell zur Reduktion der Schweißbildung verwendet. Die Anwendung erfolgt regelmäßig auf den betroffenen Hautarealen.
Zusätzlich stehen weitere Darreichungsformen wie Sprays oder Cremes zur Verfügung, die je nach betroffener Körperregion unterschiedlich angewendet werden können.
Rezeptpflichtige Medikamente gegen Hyperhidrose
Wenn topische Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind, können systemische Medikamente in Betracht gezogen werden. Diese greifen in die nervale Steuerung der Schweißproduktion ein.¹⁹
Anticholinergika: Oxybutynin und andere
Anticholinergika blockieren die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin, der eine wichtige Rolle bei der Aktivierung der Schweißdrüsen spielt.⁴
Oxybutynin gehört zu den am häufigsten eingesetzten systemischen Medikamenten bei Hyperhidrose. Studien zeigen, dass Oxybutynin die Schweißproduktion und die Lebensqualität vieler Betroffener verbessern kann.⁶ Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Verstopfung oder Müdigkeit.⁴
Auch Bornaprin wird in bestimmten Fällen eingesetzt. Welche Substanz geeignet ist, hängt von der individuellen Situation und der Verträglichkeit ab.
Glycopyrroniumbromid
Glycopyrronium gehört ebenfalls zu den Anticholinergika und wird sowohl topisch als auch systemisch untersucht. Für topische Glycopyrronium-Präparate konnten Studien eine wirksame Reduktion der axillären Hyperhidrose zeigen.⁸ ⁹
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Mundtrockenheit oder lokale Hautreaktionen.⁸
Botulinumtoxin als medizinische Option
Botulinumtoxin wird seit Jahren zur Behandlung fokaler Hyperhidrose eingesetzt – insbesondere an den Achseln, Händen oder Füßen.¹⁴ ¹⁵ Der Wirkstoff blockiert die Signalübertragung zwischen Nerven und Schweißdrüsen und reduziert dadurch die Schweißproduktion.¹⁴
Die Wirkung hält meist mehrere Monate an, bevor eine erneute Behandlung erforderlich wird.¹⁴ Besonders bei therapieresistenter axillärer Hyperhidrose gilt Botulinumtoxin als etablierte Behandlungsoption.¹⁹
Welche Medikamente können Hyperhidrose auslösen?
Bestimmte Medikamente können verstärktes Schwitzen als Nebenwirkung verursachen oder bestehende Beschwerden verstärken. Dazu zählen unter anderem Antidepressiva, hormonelle Präparate oder Sympathomimetika.⁴
Wenn der Verdacht besteht, dass Medikamente das Schwitzen beeinflussen, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Eine eigenständige Änderung oder das Absetzen verschriebener Medikamente sollte vermieden werden.
Tipps zur Auswahl der passenden Behandlung
Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem vom Schweregrad der Hyperhidrose, den betroffenen Körperregionen und der individuellen Verträglichkeit ab.¹⁹
Bei leichter bis moderater fokaler Hyperhidrose werden zunächst meist topische Antitranspiranzien empfohlen.¹⁹ Bei stärker ausgeprägten Beschwerden oder unzureichender Wirkung können systemische Medikamente, Leitungswasser-Iontophorese oder Botulinumtoxin infrage kommen.¹³ ¹⁴ ¹⁹
Da alle Behandlungen mögliche Nebenwirkungen oder Einschränkungen haben können, sollte die Auswahl immer gemeinsam mit einem Arzt erfolgen.









